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Der Jugendbuchpreis 2017 wurde verliehen.

Das Buch, das den Preis erhalten hat, gilt als Pflichtlektüre für Schulen. Das bedeutet, dass Teenager, die es nicht lesen wollen, es lesen müssen.

Es ist sicherlich ein gutes, lesenswertes Buch und die Autorin ist sicherlich auch sehr gut. Und sie wird auch niemanden zwingen wollen, ihr Buch zu lesen. Warum bloß muss es an Schulen zum Zwang gemacht werden? Dadurch werden so viele Schüler/innen ihrer Freude am Lesen von Büchern beraubt.

Die Bücher, die ich hier jetzt vorstellen möchte, gelten leider auch als Pflichtlektüre. Zu meinem Glück sind sie mir selbst im Schulunterricht erspart geblieben und so konnte ich sie frei kennenlernen und wirklich schätzen lernen.

An meine Pflichtlektüre-Bücher habe ich wenig Erinnerung. Eines, das mir jedoch im Gedächtnis blieb, war „Der Vater eines Mörders“ von Alfred Andersch. Es beginnt mit zwei Zitaten. Das zweite davon lautet:

Fast niemand scheint zu fühlen, daß die Sünde, die allstündlich an unseren Kindern begangen wird, zum Wesen der Schule gehört. Aber es wird sich noch einmal an den Staaten rächen, daß sie ihre Schulen zu Anstalten gemacht haben, in denen die Seele des Kindes systematisch gemordet wird.
Fritz Mauthner, Wörterbuch der Philosophie

Ich fand es sehr ironisch, dieses Buch in der Schule lesen zu müssen. Es ist eine autobiografische Schulgeschichte. Der Autor erwähnt darin, dass er keine Zeit zum für-die-Schule-Lernen hatte, weil er Bücher las. In diesem Buch wird eine Situation in einem Klassenraum beschrieben. Der Autor hat diese als Schüler erlebt und erzählt sie nach. Der Schuldirektor und Vater des späteren Massenmörders Heinrich Himmler profiliert sich darin vor einer Schulklasse. Es ist das einzige Buch, welches ich von den Büchern, die ich zu lesen genötigt wurde, behalten habe.

Mein Lesetipp sind heute zwei Bücher. Beide werden als Schullektüre benutzt und zu beiden gibt es jede Menge Unterrichtsmaterial im Netz zu finden. Lehrer/innen können dies benutzen, um damit dann ihre Schüler/innen zu konfrontieren. Fairerweise können die Schüler/innen im Netz die gefragten Antworten finden und mit diesen auf die Forderungen der Lehrer/innen eingehen. Beide hätten vermutlich Besseres zu tun, aber es liegt auf Seiten des Pädagogen/der Pädagogin, dieses Spiel fortzusetzen oder nicht. Ich finde es schlimm, jemanden zum Buchlesen zu zwingen, und habe, obwohl ich zu meiner Schulzeit sehr viel gelesen habe, es immer als Zumutung empfunden.

Mein erster Tipp heißt

Die Outsider

"Die Outsider". link  Geschrieben hat es die damals 16-jährige Susan Eloise Hinton. Die Inspiration zu dem Buch kam aus ihrer Schule, in der es Rivalitäten zwischen den Kindern verschiedener sozialer Stellungen gab. Die Rivalitäten gingen soweit, dass die Ärmeren, die Greaser, und die Reicheren, die Socs, verschiedene Eingänge derselben Schule benutzten.

Dieses Buch schafft es auf einer Seite, an einigen Schulen und Bibliotheken in den USA verboten zu sein, während es auf der anderen Seite zum festen Curriculum von Schulen gehört. Ich fand es faszinierend und unglaublich spannend. Die Rivalitäten eskalieren darin. Es beginnt und endet mit demselben Satz. Die Hauptfigur Ponyboy beginnt am Ende der Geschichte, seine Erlebnisse als Schulaufgabe aufzuschreiben, und aus diesen Erlebnissen besteht die Geschichte, in die man eintaucht. Ich habe es zweimal hintereinander gelesen.
In meiner Buchauflage sind einige wenige Bilder der Verfilmung von 1983 zu sehen, zu denen ich auch meine Phantasie spielen lassen konnte. Ich wollte diesen Film immer schon sehen. Gestern Abend habe ich ihn mir angeschaut. Er ist super und darüber hinaus nah am Buch. Nichtleser, die zu diesem Buch gezwungen werden, können hier die Story gut aufschnappen, sofern ihr Englisch gut genug ist. Auf Youtube finden sich auch Videos, die über die Unterschiede vom Buch zum Film aufklären.

Das zweite Buch ist

Die Insel der blauen Delfine

von dem Autor Scott O'Dell. Darin ist ein junges Indianermädchen für viele Jahre auf sich allein gestellt. Als ihr Stamm die Insel verlässt, bleibt sie zurück. Sie verbringt 18 Jahre alleine auf der Insel. Lebt mit und von der Natur. Sie muss sich mit den wilden Hunden auseinandersetzen, wird von ihnen bedroht und schließt Freundschaft. Eine unglaublich spannende und bewegende Geschichte.
"Insel der blauen Delfine" link 

Nach einer wahren Begebenheit

Etwas, das mich schon damals sehr an dieser Geschichte faszinierend hat, ist, dass das Buch nach einer wahren Begebenheit geschrieben wurde. Bei dem jungen Mädchen handelte es sich in Wirklichkeit um eine erwachsene Frau. Ihr Volk lebte seit langer Zeit auf der Insel, bis Pelztierjäger 1814 so viele von ihnen umbrachten, dass das Volk selbst vorm Aussterben bedroht war. Die Verbliebenen wurde schließlich von Missionaren aufs Festland gebracht, wo sie alle an Krankheiten starben. Sie aber blieb alleine auf der Insel zurück, bis sie schließlich nach ca. 20 Jahren gefunden und aufs Festland mitgebracht wurde. Sie war damals etwa 50 Jahre alt, fit und aktiv, und wurde immer lachend beschrieben. Da sie der letzte Mensch ihres Volkes war und niemand anderes mehr ihre Sprache sprechen oder verstehen konnte, konnte sie nicht von ihren Erlebnissen berichten. Viele Neugierige kamen vorbei und wurden von ihr mit Tanz und Gesang unterhalten. Nach 7 Wochen auf dem Festland starb sie an einer Krankheit.

Björn
Tipp von Björn