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Die Krabat-Saga, Magie, Mühlen und Technologie

Der Zauberlehrling Krabat verwandelt sich in einen Raben Dies ist nicht wirklich ein Tipp für ein Buch, sondern eher ein Tipp für eine Geschichte, die inzwischen in Büchern, in Filmen, als Konzept-Album von einer Band und im Theater zu sehen, zu lesen und zu hören ist. Die Ursprünge der Geschichte sind nicht klar zurückzuverfolgen, sicher ist aber, dass sie auch viele andere Geschichten beeinflusst haben müssen: Die Krabat-Saga.

Ursprünge, der Krabat-Saga

Die Brüder Grimm zeigen in ihrem Buch von 1819 in der Geschichte „Der Gaudieb und sein Meister“ bereits viele Motive des Stoffs, ohne jedoch den ungewöhnlichen Namen Krabat zu nennen. Innerhalb ihres Buches verweisen sie auf eine ähnliche Erzählung aus einem anderem Teil Deutschlands.

Was den Krabat-Stoff besonders macht, ist, dass die Verwandlungen der Protagonisten von diesen selbst willentlich gezaubert werden und nicht wie in den meisten Überlieferungen der Brüder Grimm durch Hexen oder Dämonen, also durch andere, bewirkt werden. Und dass es sich beim Verwandeln um etwas handelt, das gelernt werden kann.

Zauberlehrling und Meister

Die Basis der Geschichte ist das Bild eines Zaubermeisters und seines Lehrlings, wie es auch schon von Goethe in dessen Ballade über den Zauberlehrling verwendet wurde.

Bei Goethe probiert der Lehrling während der Abwesenheit des Meisters die Zauberei aus, um sich Arbeit zu erleichtern. Er bedient sich wie im Rausch der Magie, bis diese ihm entgleist und er die Kontrolle verliert.
Viele heutige Geschichten haben dieses Motiv abgewandelt, in ihnen kann es statt um Magie auch um Technologie gehen, aber immer hat der Protagonist das Gefühl, alles kontrollieren zu können, um bald darauf seinem eigenem Werk hilflos gegenüber zu stehen. Nicht selten findet sich der Handelnde in einem selbstverursachten lebensbedrohlichen Konflikt mit seinem eigenem Werk wieder. Ein Beispiel hierfür ist der Film „Ex Machina“. Weitere Beispiele sind die Terminator-Filme, Matrix und I, Robot, zwar ohne Meister, aber auch hier geht es am Anfang lediglich um das Erleichtern der Hausarbeit.

Magie und Technologie

Fortgeschrittene Technologien haben einen Bezug zum Magischen. Sie sind oft nur noch von Experten verständlich, so wie die Magie Sache des Magiers ist. Der Benutzer von zum Beispiel einem Computer kann diesen zwar bedienen, aber auch schnell an seine Grenzen kommen, wenn er nicht bereit ist, sich tiefgründiger mit dieser Technologie zu beschäftigen. Der frühere Philosoph Tommaso Campanella schrieb: Alles, was die Wissenschaftler […] mit Hilfe einer unbekannten Kunst vollbringen, wird Magie genannt. Denn Technologie wird immer als Magie bezeichnet, bevor sie verstanden wird, ...

Der Zweck von Magie und Technologien besteht jeweils aus dem Versuch, die Kräfte der Natur zu manipulieren und benutzen zu können.

Fantasy und Science-Fiction

Die Erzählgenres Fantasy und Science-Fiction sind sich im Grunde sehr ähnlich. Bei beiden wird die Was-wäre-wenn-Frage nach einer Welt gestellt, in der die Naturkräfte anders manipuliert werden als in unserer augenblicklichen Welt. Beide sind Spekulationen, weitergedachte Fantasien, und bei beiden geht es neben der Magie/Technologie immer auch um die Stellung des Menschen im Bezug dazu, um seine Konflikte und um die Verantwortung, die er mit sich trägt.

Die Entwicklung von Krabat

Viele weitere Adaptionen der Krabat-Sage haben ihren Ursprung in den Wandermotiven der damaligen Zeit und waren in zahlreichen Varianten weit übers Land verbreitet. Der ungewöhnliche Name Krabat gesellte sich dem Sagenkomplex in der Lausitz hinzu. Wahrscheinlich geht er auf die Bezeichnung Croat zurück, die damals für Kroaten stand und sich auf den Kroaten Johann Schadowitz bezieht, der im 17. Jahrhundert in Deutschland lebte. Ihm wurde Zauberei nachgesagt. Bei einer seiner Reisen durch die Luft soll er mit seiner Kutsche an einem Kirchturm hängengeblieben sein. Ein Motiv aus der Krabat-Saga und aus den Wandersagen. Johann Schadowitz wurde Oberst des Kurfürsten, bei seinem Feldzug gegen die Türken 1696. Er siedelte sich in der Lausitz an und starb dort 1704. Bei dem in der Lausitz ansässigen Volk der Sorben entwickelten und mischten sich die ursprünglichen Erzählungen zu dem Sagen-Komplex um den Zauberer Krabat. Der Lebenslauf Krabats wurde immer detaillierter. 1896 schrieb der sorbische Historiker Georg Pilk etwas über die Zauberschule an der schwarzen Mühle bei Schwarzkollm, die auch in modernen Krabat-Adaptionen noch vorkommt.

Über den Zauberer Krabat schrieb Jurij Brezan drei Romane.
Darauf folgte das bekannte Buch Krabat von Otfried Preußler.
Es schuf die Grundlage für viele weitere Adaptionen.

Eine besonders schöne Verfilmung orientiert sich an diesem Buch. Der Regisseur Karel Zeman brachte 1977 eine wunderschöne tschechisch-deutsche Zeichentrickverfilmung heraus. Diese wurde sogar ins Japanische Übersetzt.

Die Band ASP veröffentlichte 2008 ein Konzeptalbum nach der Krabat-Saga.
„Zauberbrüder – Der Krabat-Liederzyklus“
In diesem Video ist ein Lied des Albums mit Bildern aus der Krabat-Zeichentrickverfilmung hinterlegt:

Die Mühle, Hochtechnologie im Mittelalter

In der Geschichte lernt der Waisenjunge Krabat das Handwerk des Müllers und das der schwarzen Magie. Es ist kein Zufall, dass der Schauplatz der Geschichte eine Mühle ist. Im Mittelalter hatte die Mühle etwas Bedrohliches. Viele Menschen verstanden nicht die Technologie hinter ihr, auch wenn sie uns heute so einfach erscheint. Und so erklärten sie es sich mit Magie. Und der Müller war jemand, der diese beherrschte.

In vielen überlieferten Volksliedern ist der Müller jemand, dem man nicht traut. Nicht nur, dass seine Mühle mahlt, er verarbeitet auch etwas weiter, was der Bauer angebaut hat. Getreide zu Mehl, viele Bauern trauten ihm nicht über den Weg, weil der Lohn seiner Arbeit schwer zu quantifizieren war und er sich vielleicht etwas abzweigte. Dazu kam, dass der Müller oft außerhalb des Dorfes lebte. Er brauchte einen geeigneten Ort um den Wind oder die Strömung bestmöglich zu nutzen. Außerhalb des Dorfes lebend, dazu eine für viele schwer zu verstehende Technik und nicht nachvollziehbare Abrechnung des Gemahlten. Der muss mit dem Teufel im Bunde stehen.

Die Mühle aus Krabat kann besucht werden. Den Ort Schwarzkollm gibt es tatsächlich und in ihm wurde die schwarze Mühle nachgebaut. Hier finden auch die Krabat-Festspiele statt.
http://www.krabat-muehle.de/ link

2008 kam eine Realverfilmung heraus. Auch diese Verfilmung ist sehr gut gelungen und sehenswert.

2011 gab es eine weitere Verfilmung. Das Besondere ist, das es sich um einen Silhouettenfilm handelt, der nebenbei auch der längste Silhouettenfilm der Welt ist (70). Der Silhouettenfilmer Jörg Herrmann verwirklichte den Film „Der siebente Rabe“.

Björn
Tipp von Björn