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Der Tipp zum Anfangen: Fang an.
Ein Ausflug in die Entstehung des Romans Henker und König

Eine typische Frage, die Autoren oft gefragt werden, ist die, ob sie Tipps haben, für diejenigen, die mit dem Schreiben anfangen wollen.

Hier ist einer: Stift, Papier und anfangen – vergeude deine Zeit nicht damit, Tipps zum Anfangen zu suchen!

Wenn du irgendwas nicht richtig hinkriegst, werden sich genug Leute finden, um dich mit wichtigen Worten zu einer schlechteren Kopie ihrer selbst zu erziehen. Das brauchst du nicht. Du brauchst überhaupt gar nichts, um mit dem Schreiben anzufangen, außer einem Medium zum Auffangen deiner Schreibkünste und dir selbst. Wenn es dann nicht läuft, hör auf, ein hilfloses Individuum zu sein und löse das Problem mit deinen eigenen Mitteln, deiner Kreativität, deinem Denken… Das ist, was wichtig ist. Tipps sind nur Add-ons.


Mai Kristin Linder

Sich selbst vom Anfangen abhalten

Es ist wie der Kaffee, den ich mir mache, um meine Arbeit ein bisschen hinauszuzögern. Plötzlich ist er leer und ich brauche noch einen, sonst kann ich nicht arbeiten. Es fängt aber immer erst alles an, wenn (Kaffee und Tipps hin oder her) du anfängst.
Im Schreiben besser zu werden, ist etwas, was erst geht, wenn du bereits etwas geschrieben hast. Dann können Tipps sinnvoll werden.

Wenn du wirklich etwas machen möchtest, halte dich nicht mit Tipps und Tricks auf, sondern mach Erfahrungen. Erst mit Erfahrung werden Tipps auf fruchtbaren Boden fallen, weil du sie erst dann einordnen kannst. Bevor du über 2000 Euro an eine Schule des Schreibens bezahlst, mach eigene erste Schritte und überlege es dir dann nochmal.

Mai-Kristin Linder, die Autorin von dem Fantasy-Epos Henker und König und Geschäftsführerin von Streuner Buch, bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: Wenn jemand erst Tipps einholen muss, um mit dem Schreiben anzufangen, dann hätte ich keine große Lust, sein Buch zu lesen.


Leidenschaft und Schreibsucht

Sie fing an, Geschichten zu schreiben, als sie das Alphabet gerade so zu beherrschen lernte. Sie sagt: In der dritten Klasse war ich bereits schreibsüchtig. Für ihre Schulaufgaben fand sich in ihren Schulheften nur noch wenig Platz. Ihr ist das Schreiben zu einem tiefen Bedürfnis geworden. Wir kennen das hoffentlich alle, dieses Gefühl, wenn wir etwas mit solcher Leidenschaft tun, dass wir nichts essen, obwohl der Hunger sich meldet, dass wir nicht zur Toilette gehen, obwohl es langsam Zeit wird. All das, weil wir uns in unserer Aufgabe verloren haben.
Mai-Kristin nennt das ihre Schreibsucht. Aber es geht ihr dabei nicht um das Schreiben als Tätigkeit an sich, sondern um das Entstehen ihrer Geschichten. Das Schreiben ist für sie das Mittel ihrer Wahl, das Alphabet das Spielzeug um ihre Geschichten zu erzählen. Auf die Frage, was sie tun würde, wenn sie nicht mehr schreiben könnte, antwortet sie: dann würde ich versuchen, meine Geschichten zu malen, zu singen. Wahrscheinlich würde sie die Geschichten auch tanzen. Zusammen mit ihrem Freund lernt sie Tango. Und übt die Tanzschritte selbst beim Kochen.
Bild von Mai Kristin Linder


Anerkennung, keine Anerkennung und Schule

Von ihrer Schreibsucht waren die meisten Lehrer wenig begeistert. Ich wurde immer wieder gedrängt, aufzupassen und das Schreiben im Unterricht zu lassen. Was sie nicht tat, sie schrieb weiter. Es war nun einmal das Wichtigste auf der Welt und ich habe darunter gelitten, dass ich es nicht ausleben durfte, wie ich wollte.

Mai-Kristin ist sich sicher, … dass viele Leute das Gefühl kennen […] sich nicht ausleben zu dürfen oder zu können.
In ihrem Buch geht es letztlich um diesen Wunsch, den so viele Menschen teilen. Ein Wunsch, den auch die drei Hauptcharaktere ihres Buches ‚Henker und König‘ hegen: Sie wollen so akzeptiert werden, wie sie nun mal sind, und sie wollen Anerkennung für das, was sie gerne tun.

Mai-Kristin ist heute froh darüber, sich den Vorstellungen ihrer Lehrer nicht gebeugt zu haben. Denn was sollte sie mit einer Anerkennung für etwas, was sie gar nicht ausmacht, anfangen. Sagen wir mal, ich wäre Gehirn-Chirurgin geworden, dann bekäme ich [...] keine Anerkennung für das, was meine Natur ausmacht, und ich wäre wahrscheinlich irgendwann unglücklich.

Bild von Mai Kristin Linder Der König in „Henker und König“ ist Generai. Er ist in der mächtigsten Position des Landes und doch nicht freier als ein Schüler in der Schule.
Irgendwie dem zu entsprechen, was Leute von ihm erwarten, nimmt all seine Zeit in Anspruch und verhindert, dass er sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse überhaupt kennenlernt. Damit fühlt er sich genauso minderwertig wie Sereth, obwohl der ja „nur“ ein Henker und Generai immerhin der König ist, was ja Anerkennung bedeutet, aber leider aus den falschen Gründen und für die falschen Fähigkeiten. Was kommt in Generais Fall dabei heraus? Ein Massenmörder!

Sereth ist der seelisch völlig kaputte Henker der Geschichte. Ein Mensch, dessen Arbeit zwar Teil der Gesellschaft ist, der für ihre Ausübung aber trotzdem von seinen Mitmenschen geächtet und sozial ausgeschlossen wird. Im Grunde eine paradoxe Situation aber auch eine historische Tatsache.


Die Inspiration, einen 1000-Seitigen Roman zu schreiben

Die Inspiration ihrer Geschichte fand Mai-Kristin durch die CD eines Freundes: Des Königs Henker von Saltatio Mortis. Mir fiel auf, dass es nicht viele Geschichten über Henker gibt, obwohl ihre schaurige Aura und die Tragik, die mit jedem Henkersleben verknüpft ist, ob mittelalterlich oder modern, eigentlich viel Stoff zum Schreiben bietet.

Ein Henker ist so eine schön tragische Figur! Entweder hat er sich für seinen Beruf entschieden – in diesem Fall ist die Frage spannend, weshalb, was hat ihn dazu getrieben –, oder aber er ist dazu gezwungen – dann interessiert uns, wie er damit umgeht, ob es ihm etwas ausmacht, ob er es schafft, als Todbringer Licht in seinem Leben zu finden, oder sich vielleicht zu befreien? In der Figur des Henkers kann man so viele Gefühle vermitteln: Abstumpfung, Macht und Machtlosigkeit, Hoffnung und deren Gegenteil, Befreiung …


Dem Beruf des Henkers und den von Mai-Kristin aufgeworfenen Fragen schenkt Streuner-Buch einen eigenen Blog-Artikel. Coming soon..

Die Dritte im Bunde der Hauptcharaktere aus „Henker und König“ ist Sila, … eine rebellische Tollpatschin. Sie bekommt keine Anerkennung in ihrem Stamm und ihrer Familie, aber: Sie lebt die Freiheit aus, die wir alle haben, ganz egal, wie viele Zwänge und Konventionen auf uns lasten. Mehr so zu sein wie Sila, das ist sicherlich auch mein Wunsch.

Mai-Kristin Linder hat im Verlag Streuner-Buch eine Doppelrolle: Sie ist Autorin des Buches Henker und König und Geschäftsführerin, was ihr nicht erspart, interviewt zu werden.

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