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Augenblick der Vergebung,
worum es geht

Augenblick der Vergebung ist das neue Buch im Streuner-Buch Sortiment. Die Autorin Rabea Bohner veröffentlicht bei uns unter dem Pseudonym Lucinda West. Wie ist sie dazu gekommen, Autorin zu werden? Welche Themen möchte sie durch ihr Buch ansprechen?

Lucinda West Seit ihrer Schulzeit weiß Rabea Bohner, dass in ihr der Stoff für eine Geschichte schlummert. Aber da ist es noch nicht so weit.
Erst beendet sie die Schule, macht eine Ausbildung, hängt ein Studium dran, gründet mit 20 Jahren eine Firma. Sie baut das Immobilienunternehmen Bohner & Boos auf. Sie ist zweifache Mutter. Sportlich, sie joggt gerne im Wald, sie kann boxen. Sie ist erfolgreich. Dass sie etwas schreiben wird, weiß sie all die Zeit, aber der richtige Augenblick dazu war noch nicht an sie herangetreten.

Als sich in ihrem Leben eine plötzliche Wendung vollzieht, ist es so weit. Durch eine Krise gelöst fängt sie an zu schreiben und es hilft ihr, die schwierige Zeit zu überstehen. Sie fühlt sich dabei wie in Meditation. Statt vom „Schreiben“ spricht sie davon, dass Worte „fließen“: Es fließt nur so aus mir heraus. Es reißt mich mit. Das ist unglaublich.
Die Geschichte der „Todesdämmerung im Zauberwald“, ihres ersten Buchs, entsteht in ihr und fließt aus ihr heraus. Sie hat sich in meine Gefühle und in mein Herz eingeschlichen. […] durch das Schreiben gelangt sie nach draußen auf das Papier. […] ein wunderschönes Gefühl, überwältigend und machtvoll.
Ihre Bücher veröffentlicht sie unter dem Künstlernamen Lucinda West.
Wenn sie selbst ein Buch liest, das ihr gefällt, eines, das ihre Gefühle und Empfindungen weckt, möchte sie am liebsten gleich den Autoren ansprechen und von ihm wissen, wie seine geschriebene Geschichte zu ihm kam. Ob er sich das alles ausgedacht hat?


Verschenke deinen Verstand

Als Geschäftsführerin, gelernte Bankkauffrau und studierte Bankfachwirtin kann Rabea Bohner mit Zahlen, Daten und Fakten umgehen. In ihren Büchern geht es aber gerade darum überhaupt nicht. Für sie lautet die Hauptaussage sogar: Verschenke deinen Verstand. Der erwachsene Leser muss sich erinnern, an die Leichtigkeit, die wir als Kind hatten, die uns mit dem Erwachsenwerden verloren ging. Wenn es uns gelingt, wieder mit der freudigen Unbeschwertheit eines Kindes zu denken, […] und dem Glauben, etwas tun zu können, dann ist viel mehr möglich. Auch das, was wir vorher als unmöglich hinnahmen. Es ist so wichtig, sich für etwas begeistern zu können, so wie es einem in der Kindheit noch leicht fällt. Sie sagt: Wenn mein Herz für etwas brennt, renne ich los. Dann mache ich alles möglich, was möglich ist.


Auge um Auge

In ihrem Buch „Augenblick der Vergebung“ geht es auch um einen immer wiederkehrenden Konflikt unserer Welt, den pausenlosen Kampf zwischen Gut und Böse. Jeder wird einmal gekränkt, jeder macht Dinge, die er bereut. Manche werden in ihrem Leben von wirklichen schlimmen Schicksalen getroffen, einige werden schlimm verletzt, erleiden Traumata, andere sterben, manchmal auf grausamste Art und Weise.

Martin Luther King, Zitat zu Vergebung

Vergeben ist eine Antwort darauf. Und ein großes Thema, nicht nur in Rabeas Büchern. In sämtlichen Religionen der Welt hat Vergeben einen hohen Stellenwert. Bloß im alten Testament ist noch die Rede von der anderen Antwort, der Rache und Heimzahlung. So heißt es dort Auge für Auge, Zahn für Zahn . Eine Denkweise, die auch Adolf Hitler benutzte. Um seine Massen zu gewinnen, sagte er, es wird Bombe mit Bombe vergolten. Das ist eine der altertümlichen Möglichkeiten, mit Zorn, Wut und Verletzung umzugehen, die oft auch heute noch eine große Rolle in den Konflikten des Menschen spielt, obwohl sehr deutlich ist, dass Blutrache nur zu erneuter Rache führt und immer so weiter. Die ersten Ansätze von zivilisiertem modernem Recht begannen mit der Einschränkung von Blutrache. So heißt es in einem babylonischen Gesetz von 2000 v. Chr.: Wenn er (der Bürger) ein Auge eines Palast-Angehörigen zerstört [...], so soll er eine Mine Silber zahlen. Eine der ersten Maßnahmen, damit die Welt nicht komplett erblindet.

Im neuem Testament ist es bereits ein großes Thema, das Vergeben. Die Menschheit hat dazugelernt. Jesus bezieht sich dort auf Rache: dass da gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel. Im Vaterunser heißt es: Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Und auch im Islam wird Vergebung wertgeschätzt. Im Koran steht: dessen Lohn aber, der vergibt und Besserung bewirkt, ruht sicher bei Allah.


Vergebung

Rache und Gewalt ist eine einfache Antwort, wie Vergeben macht es nichts Geschehenes ungeschehen, Vergeben aber schafft Frieden. Und Vergeben befreit den Vergebenden. Aber Vergeben ist nicht leicht, anders als der Gewalt ist es nicht möglich, sich der Vergebung gedankenlos wie im Rausch hinzugeben.

Rabea Bohner meint: Es ist eine sehr private Entscheidung die von Größe zeugt. Wenn ich, wie in meinem Roman ,Augenblick der Vergebung‘ beschrieben, meinem Peiniger vergeben kann, habe ich gesiegt. Denn Böses mit Bösem zu vergelten, hat bekanntlich einen hohen Preis.

Werden wir gekränkt, haben wir starke Gefühle von Ungerechtigkeit. Wir fühlen uns abgewertet und sind wütend. Diese Gefühle tragen wir in uns. Selbst wenn der Kontakt zu dem, der uns kränkte, überhaupt nicht mehr besteht, sind diese Gefühle noch da. Wer mit Menschen zu tun hat, und das haben wir schließlich alle, ständig, wird verletzt. Bewusst oder unbewusst. Das bleibt nicht aus. Wichtig ist nicht das, was geschieht, sondern wie wir damit umgehen, sagt Rabea und unterstreicht, dass es jedem passieren kann: Auch wir verletzen bewusst oder unbewusst andere Menschen. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir uns selbst unsere Fehler vergeben können. Sie sagt: Es ist bereits geschehen. Jetzt ist es wichtig, wahrzunehmen, zu erkennen und daraus zu lernen. Nächstes Mal möchte ich in einer ähnlichen Situation beispielsweise anders reagieren […]. Jetzt kann ich mir selbst vergeben und sogleich die vergangene Situation in Frieden loslassen. Ich brauche nicht mehr darüber nachdenken, warum ich etwas so oder so getan habe. Ich bin wieder frei. Apfel-chachacha

Ich denke, wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass wir uns selbst und anderen immer wieder vergeben dürfen, um unser Selbst willen. Denn nur dann sind wir in der Lage, das Leben mit all seinen Facetten zu genießen., schließt Rabea.

Von Nelson Mandela wird erzählt, er habe sich bei seiner Entlassung aus dem Gefängnis gesagt, er müsse allen, die ihm je Unrecht getan hatten, vergeben, noch bevor er das Gefängnistor erreiche, um wirklich frei zu sein.

Auf die Frage, ob Vergeben etwas ist, das gelernt werden kann, sagt Rabea Bohner: Ich denke, Vergebung lernen wir jeden Tag aufs Neue. Mit jeder Situation, die in unserem Leben auftaucht, werden wir damit konfrontiert. Wir können lernen, immer in der Liebe und im Licht zu bleiben, egal wie schlimm die Umstände auch sein mögen. Ich möchte niemandem die Macht über mich geben, ihn zu hassen. Viel lieber will ich ihn mit meiner Liebe besiegen. Wenn ein jeder nach diesem Motto leben würde, wäre die Welt viel bunter und schöner.

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