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Astrid Lindgren, Steuern und Polemik

1976 bemerkt Astrid, dass sie 102% Steuern zahlen soll, sie wehrt sich gegen diese unmögliche Zahlung mit dem Märchen „Pomperipossa in Monismanien“. Welches in der Zeitung Expression veröffentlicht wird und eine breite Leserschaft erreicht.

In dem Märchen geht es um eine Frau, nennen wir sie Pomperipossa, denn so pflegt man in Märchen ja zu heißen. [...] Diese Pomperipossa schrieb Kinderbücher. Sie tat es aus purer Vergnügungssucht, nur um in ihrem Erdenleben ein wenig Spaß zu haben. Astrid Lindgren, Zitat Und eines Tages dachte sie: Wer weiß, vielleicht sind Kinder fast ebenso kindisch wie ich, vielleicht wollen auch sie meine schnurrigen Einfälle lesen? Es zeigte sich, dass sie es wollten.

Nun wird diese Pomperipossa von den Machthabenden sehr ungerecht besteuert und so wird Astrid auch sehr deutlich in diesen Zeilen: Was wollen sie damit denn erreichen, was erstreben sie – einen Staat, so verpfuscht und unmöglich wie nur möglich? O du reine, blühende Sozialdemokratie meiner Jugend, was haben sie aus dir gemacht, dachte sie (denn jetzt wurde sie ein wenig pathetisch), wie lange noch soll dein reiner Name dazu missbraucht werden, einen eigenmächtigen, bürokratischen, ungerechten, bevormundenden Staat zu schützen? Sie hatte geglaubt, in einem demokratischen Land solle das Recht aller gewahrt werden.

Enden tut das Märchen schließlich mit den Worten:

Da beschloss Pomperipossa, auf die Straßen und Plätze hinaus zu gehen und Geld zusammen zu betteln um sich eine, wenn auch noch so kleine, Brechstange zu kaufen. Zittert, ihr weisen Männer, ... – könnt ihr völlig hemmungslos stehlen, dann kann ich es auch!
Astrid Lindgren Zitat mit Brecheisen, Zeichnung nach einem Photo von Per Kagrell Das ganze Märchen könnt ihr hier link lesen.

Der damalige Finanzminister wirft ihr daraufhin vor, sie sei schlecht informiert und verhalte sich aggressiv, worauf sie im Fernsehen kontert: … dann stellen wir uns solange vor seine Tür, bis er rauskommt und uns beibringt, wie man rechnet. In diesem Jahr wechselt nach 44 Jahren zum ersten Mal die Regierungspartei.

Astrid Lindgren Pippi Langstrumpf Zitat Astrid ist nicht einfach eine Autorin von Kinderbüchern, sondern hat einen mächtigen Einfluss auf die Meinungsbildung. Ihrer Meinung nach ist ihre Geschichte von Pippi Langstrumpf auch ein Beispiel von der Verantwortung der Stärkeren, ihre Möglichkeiten nicht zu missbrauchen. Pippi ist unglaublich stark und wirft Räuber, Polizisten und Piraten gern mal durch die Luft, wenn diese sich für stärker als kleine Mädchen halten. Allerdings tut sie das nur, wenn diese ihre Macht missbrauchen wollen. Sie selbst missbraucht ihre Kräfte allerdings nie. Wenn Pippi Langstrumpf jemals eine Funktion gehabt hat, [...] dann war es die, zu zeigen, dass man Macht haben kann und sie nicht missbraucht. Und das ist wohl das Schwerste, was es im Leben gibt.
Womit Astrid leider sehr recht hat, wie wir mit einen kurzen Blick in die Nachrichten feststellen können. Der Chefredakteur Bo Strömstedt der Expression erzählte später: Astrid Lindgren war amüsiert über die Polemik. Angespornt durch die spürbare Empfänglichkeit sah sie ein, dass sie mit ihren Artikeln eine Menge erreichen konnte.

Katze