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Pippi Langstrumpf und Britt- Mari, das erste Buch wird verlegt.

Eines Abends fragt Tochter Karin ihre Mutter Astrid, ob sie ihr noch eine Geschichte erzählt. Einfach so, aus sich heraus: „Erzähl mir von Pippi Langstrumpf.“ Und Astrid erzählt. Pippi Langstrumpf war geboren. Der Krieg geht zu Ende, Astrid beendet ihr Kriegstagebuch und hört auf, beim Geheimdienst zu arbeiten. Sie schreibt die Geschichte der Pippi Langstrumpf auf, um sie Karin zum zehnten Geburtstag zu schenken. Ein Manuskript der Geschichte schickt sie zu einem bekannten, großen Verlag.

Sie bekommt es zurückgeschickt, unter anderem auch deshalb, weil es für Kinder zu anspruchsvoll sei. Kurz darauf nimmt sie an einem Wettbewerb eines anderen Verlages teil. Es geht darum, eine Geschichte für Mädchen zu schreiben, in der die Liebe zu Familie und Heim, sowie das Verantwortungsgefühl gegenüber dem anderen Geschlecht befördert werden sollte. Sie schickt die Geschichte „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“   link ein und gewinnt den zweiten Preis. Ihr Buch wird verlegt.

Pippi Langstrumpf, Zitat Im nächstem Jahr schickt sie ein überarbeitetes Manuskript der Pippi Langstrumpf-Geschichte zum Wettbewerb ein. Insgesamt hat sie fast 40 % des gesamten Manuskriptes geändert. Diesmal gewinnt sie den ersten Preis und der Verlag Rabén & Sjögren verlegt das Buch. Es ist ein Riesenerfolg. Wer sich für die erste Manuskriptversion von Pippi interessiert, kann sie lesen. Sie ist unter dem Namen "Ur-Pippi"   link erhältlich. Aber Vorsicht: Sie soll noch ungehobelter und respektloser sein als heutzutage. Mit Kommentaren und Gegenüberstellungen u.a. von der Literaturwissenschaftlerin Ulla Lundqvis.

Pippi Langstrumpf war sofort sehr erfolgreich. Sie löst bis heute Debatten aus. Aktuell über Rassismus und Zeitgemäße Sprache, damals über Kindererziehung. Pippi Langstrumpf wurde in eine Welt freigelassen, in der Erziehung darauf hinauslief, Kinder zu brechen und zu Untertanen zu formen. Prügelstrafe war verbreitet. Es war eine Form von Pädagogik im Umlauf, die wir heute als schwarze Pädagogik bezeichnen.

Pippi Langstrumpf musste damals wie eine Verhöhnung auf die damals üblichen Klischeebilder in Kinderbüchern gewirkt haben. Eine Veränderung, die einfach gut ankam. Und auch nötig war. Aber bei einigen auch Ängst und Sorgen auslöste: Der Psychologieprofessor John Landquist hatte die Idee, darauf hinzuweisen, dass Pippi geschmacklos sei, sich geisteskrank benehme und die Gefahr bestünde, dass sich Kinder an ihr ein Beispiel nähmen. [...] Pippi Langstrumpf etwas Widerwärtiges ist , was an der Seele nagt.

Pippi Langstrumpf Zitat Die Staatssekretärin Ewa Sällberg klagt in einer schwedischen Zeitung darüber, dass Kinder nicht mehr gebrochen, sondern selbstbewusst und schwierig würden: Es ist recht ermüdend, dauernd von den Rechten der Kinder reden zu hören. Was Wunder, wenn sie selbstbewusst und schwierig werden bei all dieser Propaganda, die für diese ihre Rechte gemacht wird. Ihr gegenwärtig beliebtestes Buch – Bestseller also – handelt von einer jungen Dame, Pippi Langstrumpf, die immer macht, was ihr gerade einfällt. Sie ist nicht einmal in Freiheit erzogen, sie ist überhaupt nicht erzogen.

Astrid lässt sich davon nicht beirren und verteidigt weiter die Rechte der Kinder. Sie sagt: Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein.

Der Stiftungsrat zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels wird später über Astrid schreiben: Astrid Lindgren steht mit ihrem gesamten Werk beispielhaft für alle, die mit ihren Büchern Kindern in aller Welt als unverlierbaren Schatz die Phantasie schenken und ihr Vertrauen zum Leben bestärken. Neugier im Kind zu wecken, es kritisch zu machen gegenüber großen Worten und Parolen, ist genauso wichtig wie die Aufgabe, ihnen die Angst zu nehmen vor der Welt und der Zukunft.

In unserer Welt gibt es leider nach wie vor sehr viele Menschen ohne Kritik gegenüber Parolen und Worten. Viele Menschen haben große Ängste vor der Zukunft. Ihr Umgang mit dieser Angst vor dem, was ihnen selbst in ihrer Welt fremd ist, sorgt leider dafür, dass eine gewisse Furcht vor der Zukunft berechtigt ist. Das ist ein guter Grund, Astrids Bücher vorzulesen. So haben auch zumindest zwei etwas davon ; )

Der Erfolg ihres Buches vergrößerte die Arbeit, die in dem kleinem Verlag anfiel. Man stellte kurzerhand Astrid ein, die von nun an für das Kinderbuchprogramm zuständig war. Dieser Arbeit ging sie bis ins hohe Rentenalter nach. Ihr Einfluss zur Kinderliteratur geht damit weit über den als Autorin hinaus.

Katze