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Asne Seierstad gewinnt den Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018

Bild von Asne Seierstad

Der Journalistin und Autorin Åsne Seierstad wurde der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 verliehen.
Bisher schrieb sie in ihren Büchern vor allem über Regionen wie Afghanistan, Irak, Tschetschenien und nun über ein furchtbares Ereignis in ihrem Heimatland Norwegen. Es geht um den Massenmörder Breivik, der, nachdem eine von ihm gelegte Bombe in Oslo hochgegangen war, sich als Polizist verkleidet hatte, um auf einer Insel Menschen zu erschießen, die eine andere politische Meinung hatten als er.


Ein Massenmörder, Einer von uns?

Seierstads Buch „EINER VON UNS“ ist ein hartes Buch und geht dem Leser sehr nah. Man lernt den Täter und seine Opfer kennen und ist bei der Gräueltat dicht dabei. Das Buch ist gut und tief recherchiert, es ist literarischer Journalismus.
Seierstad sieht ihre Aufgabe nicht darin, zu urteilen, sondern möchte dem Leser auf literarische Weise die Informationen geben, die er braucht, um sich seine eigenen Gedanken zu machen. Sie sagt, diese Tat zeige, wie schlimm Rechtsextremismus sei. Inzwischen ist sie gut sieben Jahre her und Rechtsextremismus nimmt in Europa zu. Seierstad meint: Um ihn zu bekämpfen, müssen wir ihn entblößen Als Vergleich nennt sie Trolle. Norwegische Fabelwesen, die, wenn sie ins Sonnenlicht gelangen, zerplatzen. Genauso könne fanatisches Gedankengut, egal ob von Rechten oder aus einer Religion, zerplatzen, wenn wir es näher betrachteten, weil nichts Vernünftiges dahintersteht.


Das Manifest des Täters, eine Beschreibung seines Wahnes

Leider halten sich viele Mensch krampfhaft an ihren Gedanken fest. Schon vor ca. 2400 Jahren bemerkte der griechische Redner Demosthenes: Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.
Auch der Täter Breivik hat ein Buch geschrieben. Sein Manifest, mit knapp 1500 Seiten. Der legendäre chinesische Philosoph Lao-Tze meint: Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus. Und der Professor Norbert Bolz sagt: Wenn jemand für seine Wahrheit mehr als 500 Seiten braucht, dann kann irgendwas nicht stimmen. Er fährt fort: Es geht hier um ein pseudo-theroetisches Wahnsystem mit ganz konkreten, dann auch leicht vermittelbaren Vorstellungen. Ob eine Pseudo-Theorie zum Rechtsextremismus führt, oder aber zum fanatischen Islam, den Breivik so fürchtet, ist egal. Beide haben dieselbe Motive, ihre Gefühle aus Angst, Wut und Hass und dem sich klein fühlen. link

Breivik rechtfertigt sich vor Gericht mit einer Erklärung, er meint, er habe in Notwehr gehandelt und dass Brutalität okay sei. Er sagt: Das waren keine Kinder, das waren politische Akteure. Er sieht es so, dass er aus Güte gehandelt habe. Breivik träumte von Reservaten, als Zuchtzentren für reinrassige Norweger. Das können wir uns ungefähr so vorstellen:

Die Schauspielerin Sascha O. Soydan liest Breiviks Erklärung in einer Inszenierung vor. Der Regisseur sagt, das Skandalöse sei, dass es sich um eine in sich geschlossene und [...] weit verbreitete Sicht in Europa darstellt. Wenn Breivik sich in seiner Erklärung als Tempelritter bezeichnet, ist das kein Witz, sondern ein zwar lächerlicher aber doch ernstgemeinter Standpunkt. Einer, der auch für sehr dumme Menschen mit Zukunftsängsten eine leicht vermittelbare Vorstellung ist, viel leichter als es ist, das Konzept von Demokratie zu verstehen.